Was essen die Spanier zu Weihnachten?

Wenn die Plaza Cibeles in Madrid in den schrillsten Farben erstrahlt, steht nicht etwa eine wilde Club-Sause vor der Tür, sondern Weihnachten. Die Vorbereitung aufs Festessen läuft auch in Spanien auf Hochtouren. Die Menschen ziehen über die Märkte, kaufen Truthahn und Lammbraten, Fisch und Meeresfrüchte, allerlei Süßes, Wein und Cava. Kulinarisch ist der 24. Dezember der große Tag, auf die Geschenke aber muss man noch warten. Denn die bringt in Spanien nicht das Christkind.

 Die Plaza Cibeles in Madrid zur Weihnachtszeit. Foto: José Ignacio Soto
Die Plaza Cibeles in Madrid zur Weihnachtszeit. Foto: José Ignacio Soto

Ganz Spanien glitzert und blinkt, und wie bei uns dominiert in der Vorweihnachtszeit das große Gerenne. Geschenke werden auch in Spanien in Boutiquen, Kaufhäusern sowie zunehmend im Internet gekauft. Beim Essen aber setzen die meisten Spanier aufs Altbewährte. Sie sind bei der Qualität extrem wählerisch und kaufen die festlichen Zutaten am liebsten auf dem Markt. Truthahn, Fisch und Meeresfrüchte sind jetzt besonders gefragt, außerdem Lamm, hochwertige Schinken und andere Delikatessen. Hochkonjunktur haben jetzt auch die Händler, die auf Nüsse, Mandeln und Trockenfrüchte spezialisiert sind.

Wie in ganz Europa ist Weihnachten auch in Spanien das wichtigste Familienfest des Jahres. Häufig versammelt sich die gesamte Großfamilie um den festlich geschmückten Tisch, und dann wird richtig gefeiert. Allerdings warten die Spanier mit dem großen Schmaus nicht bis zum ersten Weihnachtsfeiertag. Würstchen mit Kartoffelsalat zu Heiligabend wären hier undenkbar, und so steigt das große Weihnachtsessen bereits am 24. Dezember. Der Stress im Vorfeld ist häufig groß, da viele Hausfrauen und zunehmend auch Hausmänner fürs Fest oft tagelang in der Küche werkeln.

Roasted herb rubbed turkey garnished with fresh grapes, oranges, and cranberry is ready for Christmas dinner. Ornaments, Champagne, candles, and other Christmas decorations on feast table.
Pavo de navidad - Weihnachts-Truthahn mit Orangen und anderen Früchten. Foto: evgenyb

Fleisch und Fisch zum Fest
Ähnlich wie bei uns die Weihnachtsgans kommt in Spanien vielerorts der pavo de navidad auf den Tisch, der Weihnachtstruthahn. Im Norden setzt man gern auch noch auf die alte Tradition, zum Fest einen capón (Kapaun) zu schlachten oder zu kaufen: einen kastrierten und gemästeten Hahn. Und im Zuge der kulinarischen Globalisierung probieren sich Feinschmecker zunehmend auch mal an einer Weihnachtsgans oder Ente nach deutschem oder englischem Vorbild.

Jedenfalls steht Geflügel in Spanien jetzt ganz oben auf dem Einkaufszettel und zum großen Fest wird es fast immer gefüllt. Jede Region hat dabei ihre eigenen Rezepte - je nachdem, was der regionale Garten so hergibt. Pflaumen, Rosinen und Pinienkerne gehören zu den klassischen Füllungen in Katalonien, die Asturier schwören auf ihre wunderbaren Äpfel. In Galicien zaubert man eine feine Farce aus Kastanien, und die Valencianos  aromatisieren ihr Festtagsgeflügel gern mit Zitrusfrüchten und Honig.

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Fisch aus dem Ofen - ein Weihnachtsklassiker. Foto: teressa

Sehr beliebt sind als Festtagsbraten auch Spanferkel, Lamm oder Zicklein und natürlich die vielen leckeren Fischgerichte des Landes. Fast so viele Variationen wie Köchinnen gibt es vom Weihnachtsklassiker besugo al horno (Graubarsch aus dem Ofen) und noch viel mehr unterschiedliche Gerichte mit bacalao (Stockfisch). In Galicien beispielsweise serviert man zum Fest gern bacalao con coliflor (Stockfisch mit Blumenkohl), im Baskenland porrusalda, eine ebenso einfache wie leckere Suppe aus Stockfisch, Lauch und Kartoffeln. Und wer es sich leisten kann, verwähnt seine Liebsten mit einem Garnelencocktail, fangfrischen Langusten, Hummer oder Austern.

a tray with different turron, mantecados and polvorones, typical christmas sweets in Spain, on a set table with some glasses with champagne and some gifts
Turrón, polvorones und ein Glas Cava. Foto: nito

Süße Weihnachten: Turrón, Mandelkekse, Marzipan
Natürlich türmen sich schon lange vor Weihnachten die Süßigkeiten in den Auslagen der Confiserien und auf den Tellern zu Hause. Schon den ganzen Advent über genießen große und kleine Naschkatzen Gebäck wie polvorones (Mandelkekse) und mantecados (Plätzchen mit Schmalz) oder auch das edle Marzipan aus Toledo. Vor allem aber darf Turrón auf keinem Weihnachtstisch fehlen: Der traditionelle Mandelnougat wird noch heute so hergestellt wie vor Hunderten von Jahren - ganz einfach aus Mandeln, Honig oder Zucker und Eiweiß.

Im Glas nur das Beste: Cava und Sherry
Zum Weihnachtsessen machen die Spanier gern ihren edelsten Tropfen aus dem Weinkeller auf. Obwohl jede Region ihre ganz besonderen Weine hat (es gibt in Spanien inzwischen 70 geschützte Ursprungsbezeichnungen, also D.O.s!), schwören viele zum Fest traditionell auf einen guten Rioja oder auf einen Wein aus der Ribera del Duero. Als Aperitif gönnt man sich gern ein Gläschen Cava oder trockenen Sherry (Fino oder Manzanilla), und nach dem Schmaus kommen die Flaschen mit süßen Köstlichkeiten auf den Tisch - vom Moscatel-Süßwein bis zum Oloroso, der süßen und dunkel-aromatischen Spielform des Sherry.

Übrigens wundern sich deutsche Besucher an Weihnachten gern mal über die Bescheidenheit der Spanier. Zwar gibt es viel zu futtern, aber keine Geschenke. Dabei war der Shopping-Trubel vor den Festtagen doch genauso hektisch wie bei uns. Wo aber sind die ganzen Einkäufe geblieben? Ganz einfach: Die Geschenke bringt hier nicht das Christkind, sondern erst am 6. Januar die Heiligen Drei Könige (Reyes Magos) . Eigentlich logisch, oder?

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